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Artikel und Bild - Wilhelmshavener Zeitung vom 16.04.2020

Powerman-Paket aus Alsdorf kam mit der Post

Artikel von Martin Münzberger, Foto: WZ-Bild Lübbe

In der Nähe von Aachen wollte der 60-jährige Jadestädter über die Mitteldistanz beim PowerMan um den EM-Titel kämpfen. In Zeiten von Corona aber ist alles anders.

Seit 36 Jahren ist Andreas Hryciuk im Ausdauersport aktiv. War 1994 deutscher M 35-Meister auf der Triathlon-Langdistanz, rannte ein Jahr später bei der Triathlon-Europameisterschaft in 8:37:07 Stunden den Profis davon und beeindruckte ganz nebenbei auch deshalb als Sieger der Offenen Klasse, weil der Wilhelmshavener den abschließenden Marathon in 2:48 Stunden absolvierte.

Und so weiter und so fort: Duathlon-Weltmeister auf der Langdistanz 1998 (M 35), 2001 dann der WM-Titel in der Altersklasse 40 im Duathlon und Triathlon (Langdistanz).

Und so weiter und so fort: Siege beim Gorch-Fock-Marathon (2006, 2007), Platz 2 beim NordseeMan über die Mitteldistanz 2007, Start beim Ironman auf Hawaii 2009.

Und jetzt? Finisher-Medaille beim Powerman-Duathlon in Alsdorf bei Aachen, gleichzeitig die offizielle Europameisterschaft auf der Mitteldistanz. Wenn an dieser Stelle nur das Foto des 60-Jährigen inklusive Medaille und Startnummer veröffentlicht worden wäre, hätte unter dem Foto auch nur ein Satz stehen können: Finde den Fehler.

Der Fehler – er liegt auf der Hand und eigentlich weiß Andreas Hryciuk nicht, ob er lachen oder weinen soll, entschließt sich dann aber wegen seines optimistischen Wesens für ein herzhaftes Lachen: „Nach 36 Jahren ist das die erste Medaille, die ich gewonnen habe, ohne einen Tropfen Schweiß zu vergießen.“

Der Grund: Auch die Veranstaltung des Marathon-Clubs Eschweiler fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Weil die Versicherung zudem dieses Risiko nicht abdeckte, konnte der Verein den Teilnehmern die Startgebühr von mehr als 100 Euro nicht zurückzahlen. Als kleines Trostpflaster gab es deshalb die – bereits eingekauften – Medaillen als „kleine Aufmerksamkeit“ per Post.

Den eigens über den TSR Olympia angeschafften Deutschland-Einteiler – alle EM-Starter benötigen einen vom nationalen Verband verifizierten Anzug – kann der 60-Jährige jetzt wieder zusammenlegen. Und am 3. Oktober wieder herausholen. Denn dann finden (vielleicht) in Viborg (Dänemark) die Duathlon-Weltmeisterschaften statt, für die sich der Wilhelmshavener auf Grund seines zweiten Platzes bei der deutschen Meisterschaft in Alsdorf im Vorjahr ebenfalls qualifiziert hat. In einer Altersklasse im Übrigen, die der TSR-Athlet maximal schwierig findet. „Eigentlich müsste es da zwei Kategorien geben. Frührentner und Leute wie mich, die noch arbeiten und das Training irgendwie rund um den Schichtdienst organisieren.“

Das klappte aber in der Vergangenheit bereits sehr gut, weil auch die Familie mitspielte. Allein Achillessehne oder Fersensporn setzten den gebürtigen Polen immer wieder auch längerfristig außer Gefecht. Zuletzt aber konnte der 60-Jährige – auch durch das Engagement des Physiotherapeuten und ehemaligen ECW-Eishockeyspielers Robert Kwiatkowski – wieder (weitgehend) schmerzfrei trainieren.

Und das schlug sich auch in den Zeiten nieder. In Alsdorf rannte Andreas Hryciuk 2019 als Zweiter in der M 60 in 3:05:42 Stunden über die Ziellinie; in diesem Jahr sollte eigentlich die Drei-Stunden-Marke angekratzt werden. „Im Winter habe ich meine Mountainbike-Touren mit einem 30er-Schnitt absolviert. Das war eigentlich ein gutes Zeichen.“

Und auch sonst bürdete sich „Trainingsmasochist“ Hryciuk, der sich auf dem Rad, im Wasser und beim Laufen von der eigenen Überzeugung, was gut und was schlecht für ihn ist, leiten lässt, eine Menge auf. An drei Tagen hintereinander bestritt der Wilhelmshavener, der im Nautimo arbeitet, jeweils im Training einen Triathlon über die Olympische Distanz – also 1,5 km Schwimmen, 40 km Rad und 10 km Laufen. Andreas Hryciuk: „Das lief alles perfekt. Und ich hätte gerne in Alsdorf gezeigt, was ich drauf habe. Jetzt werde ich normal weitertrainieren und dann in Dänemark noch einmal Gas geben.“

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