Melanie und Sven Vanderschot bereiten sich auf Doppelstart beim IronMan auf Hawaii vor

WZ-Bericht vom 04.09.2026, Text: Martin Münzberger, Bild: Privat

An 05.09.2026 nehmen Melanie und Sven Vanderschot am Berlin WoMan am Wannsee teil. Für das Ehepaar aus Wilhelmshaven ist die Triathlon-Mitteldistanz die Generalprobe für eine weitaus größere Unternehmung. Im Oktober werden die beiden Altersklassen-Athleten gemeinsam beim IronMan auf Hawaii an den Start gehen – Erfüllung eines langgehegten Traums. In der Vergangenheit hatte Melanie (46) die Qualifikation dreimal erreicht, Ehemann Sven (51) einmal. Nie allerdings bestand die Möglichkeit, gemeinsam auf Hawaii zu starten – zuletzt, weil die Wettkämpfe von Frauen und Männern getrennt voneinander stattfanden. In Dänemark stimmten dann im Vorjahr Form und Formalien – und die Planungen für Hawaii konnten starten. Eine Ahnung von den Verhältnissen haben sie schon bekommen. Der Indeland-Triathlon Ende Juni war eine echte Hitzeschlacht. Sven Vanderschot: „Nach 20 Minuten auf der Laufstrecke gab es bei mir nur noch einen Gedanken: Wo ist der nächste Tropfen Wasser?“ Für das Triathlon-Magazin posierten die Hawaii-Starter Melanie und Sven Vanderschot in einem Strandkorb in Neuharlingersiel.

Beim IronMan auf Hawaii waren in der Vergangenheit schon einige Wilhelmshavener am Start. Allen voran Horst Greb, der kurz davor war, in Kailua-Kona einen zweiten Wohnsitz anzumelden. Aber auch Christian Jopt, Armin Klein und Andreas Hryciuk schafften schon den Sprung zur Champions League der Langdistanz über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und einem Marathonlauf (42,2 km).

Melanie und Sven Vanderschot haben jetzt aber etwas ganz Besonderes geschafft: Das Wilhelmshavener Ehepaar qualifizierte sich wie berichtet im Vorjahr für den Ironman und wird jetzt gemeinsam am Samstag, 10. Oktober, auf Hawaii starten.

Fragezeichen nach Platz 9 in Altersklasse

So groß wie die Vorfreude vor dem Hawaii-Abenteuer ist, so groß war das Verwirrspiel in Dänemark. Denn die 10:06:51 Stunden von Melanie Vanderschot und Platz 2 in der Altersklasse 45 sorgten – zum bereits dritten Mal beim dritten Langdistanz-Start – für maximale Hawaii-Wahrscheinlichkeit. Anders die Lage bei Ehemann Sven, der in 9:43:23 Stunden Neunter in der AK 50 wurde und damit eigentlich kein Kandidat für die Vergabe eines Hawaii-Platzes war, die immer einen Tag nach den Wettkämpfen stattfindet.

Neues Ranking für die Slotvergabe

Allzu große Gedanken über die mögliche Erfüllung eines Traums machten sich die beiden Triathleten allerdings nicht. „Ich wusste gar nichts. Deswegen haben wir in unserem Camper einfach nur einen erfolgreichen Wettkampf gefeiert. Und im Vorfeld hatte meine Frau gesagt, dass wir uns über ein ’Was-wäre-wenn-Szenario’ eigentlich mal Gedanken machen müssten, aber das war für mich alles zu weit weg“, erinnert sich Sven Vanderschot an die damalige Leere im Kopf in Bezug auf die notorisch unübersichtliche Slotvergabe für Hawaii. Für jeden Top-3-Athleten in den Altersklassen, der nicht starten will oder schon qualifiziert ist, rutschen schließlich weitere Kandidaten nach. Aber Platz 9?

Vanderschots Frankfurter Trainer Mario Schmidt-Wendling war da allerdings schon einen Schritt weiter. Denn er wusste um ein neues Ranking zur Vergabe von Startplätzen, das am Kopenhagen-Wochenende eingeführt wurde. Und jetzt wird es theoretisch sehr kompliziert, die einfache Version allerdings – die Schmidt-Wendling dazu veranlasste, das Ehepaar zur Siegerehrung zu beordern – reicht völlig: Weil die neue Regelung erstmalig griff und zudem im sogenannten „Performance-Pool“ zusätzliche Slots vorhanden waren, ergatterte auch Sven Vanderschot einen Startplatz. Und nur der vollständigen Verwirrung halber: Eigentlich hätten sich beide damit für die 2025-Auflage des Ironman qualifiziert. Weil der aber seinerzeit letztmalig getrennt für Männer (Nizza) und Frauen (Hawaii) stattfand, war das keine Option. Letzte Laune des Schicksals war es dann, dass Kopenhagen die Wahlmöglichkeit bot, 2025 oder 2026 zu starten. Sven Vanderschot: „Es gab diese Gerüchte, mehr wusste ich aber auch nicht.“

Verwirrspiel um das Hawaii-Startgeld

Genauso verwirrend war der Moment, in dem das Zücken der Kreditkarte den Hawaii-Start besiegelte. Sven Vanderschot: „Die Summe wurde in Kronen angezeigt. So schnell konnte ich das gar nicht umrechnen.“ Mittlerweile ist klar: Die Unternehmung kostet das Ehepaar – inklusive eines verlängerten Aufenthalts mit Inselhopping vor Ort – rund 16.000 Euro. Vanderschot: „Das tut schon weh. Aber das Ganze wird einfach ein riesengroßes Highlight.“

Reset in der Corona-Pause

Vielleicht klappte es mit der Qualifikation auch deshalb, weil die Corona-Pause ein Umdenken, ein Reset, wie Sven Vanderschot es nennt, bei dem 51-Jährigen ausgelöst hatte. „Früher bin ich immer den Dämonen im Kopf und konkreten Zeiten hinterher gejagt. Mittlerweile kann ich sagen: Wenn die anderen besser sind, sind sie halt besser.“ Die Folge: Bereits 2024 beim Ironman in Frankfurt hätte der Projektingenieur einen Startplatz ergattern können.

An diesem Samstag steht für das Ehepaar die Hawaii-Generalprobe auf dem Programm. Beim „BerlinWoMan“ am Wannsee starten beide auf der Mitteldistanz.