Die Koffer sind gepackt, das Sondergepäck mit Rad und Helmen steht bereit: An diesem Freitag brechen Melanie und Sven Vanderschot nach Amsterdam auf, um von dort über Los Angeles nach Hawaii zu fliegen. Dort startet das Ehepaar aus Wilhelmshaven am Samstag, 10. Oktober, beim IronMan. Ihren Traum einer gemeinsamen Teilnahme hatten beide im Vorjahr beim IronMan in Kopenhagen (Dänemark) mit vorderen Platzierungen in ihren Altersklassen verwirklicht.
Aus der Sicht von Sven Vanderschot wird es allerdings auch Zeit, dass es endlich losgeht. „Normalerweise bist du im Oktober schon in der Off-Season – also in der Zeit, wo du weniger trainierst, weil die Saison vorbei ist und dein Körper deshalb denkt, er kann jetzt ein paar Reparaturen vornehmen.“ Der 51-Jährige tat sich deshalb zuletzt nach eigenem Bekunden schwer, die Trainingseinheiten konsequent durchzuziehen. „Ich hatte echte mentale Probleme. Körper und Kopf wollten nicht so, wie es hätte sein sollen.“ Ein erfolgreicher Mitteldistanz-Wettkampf in Berlin mit ersten Plätzen in der Altersklasse sorgte dann aber noch einmal für einen Motivations-Booster.
Mit gemischten Gefühlen haben die Vanderschots zuletzt die Wettberichte aus Hawaii verfolgt. Dass angesichts von Temperaturen jenseits der 30 Grad lange Hosen überflüssiges Reisegepäck sind, ist das eine. Allerdings wurde zuletzt Extremwetter angekündigt, das, so Vanderschot, nur alle 10 bis 15 Jahre auftritt. El Niño, das aus dem Spanischen übersetzte „Jesuskind“, könnte rund um den IronMan für noch mehr Hitze sorgen, während gleichzeitig der Wind deutlich nachlässt. „Einfach kann jeder“, sieht Vanderschot den klimatischen Bedingungen auf Hawaii (noch) mit Gelassenheit entgegen.
Ein Phänomen, das der 51-Jährige gerade an sich beobachtet. „Normalerweise bist du rund eineinhalb Wochen vor einem Wettkampf hypernervös. Aber im Augenblick ist das Rennen noch ganz weit weg, und die Reise steht im Vordergrund.“
Auf Hawaii steht in der kommenden Woche nur „Bewegungstherapie“ (Vanderschot) auf dem Programm – allerdings eine gefährliche in Sachen Radtraining. Vanderschot: „Trainiert werden kann nur abseits des vierspurigen Highways. Und wenn dann alle mehr als 2500 Aktiven schon vor Ort sind, wird es ganz schön eng.“
Ein erstes Highlight steht für das Ehepaar an diesem Montag auf dem Programm. Dann findet in Kona die traditionelle Nationen-Parade statt. Die entsprechende Ausstattung ist den Wilhelmshavenern im Vorfeld zugesandt worden. Und dann müssen die Daumen gedrückt werden. Um 19.20 Uhr und 19.35 Uhr starten die Wilhelmshavener – und zumindest Sven Vanderschot hat nur einen Wunsch. „Ich hoffe, dass ich den Triathlon genießen kann. Melanie traue ich aber eine Top-10-Platzierung in der Altersklasse zu. Das darf ich nur nicht laut sagen.“