Eine Schnorcheltour mit Manta-Rochen oder ein Vulkanbesuch – Melanie und Sven Vanderschot haben noch ein paar Ideen für den zehntägigen Urlaub auf Hawaii. Und eins steht auch fest: Alle Ziele werden mit dem Mietwagen angesteuert und nicht mit dem Rad. Denn Strapazen haben beide genug hinter sich.
Eine kurze Rückblende: In Dänemark hatten sich die Vanderschots im Vorjahr für einen gemeinsamen Start beim IronMan auf Hawaii qualifiziert und sich einen Traum erfüllt. Einen Traum aber auch, der sich in der Realität rund elf Stunden lang anders anfühlte als alles, was die erfahrenen Langdistanz-Triathleten bisher erlebt haben. Melanie Vanderschot: „Natürlich haben wir uns vorher mit Hawaii beschäftigt. Aber du kannst so fit sein, wie du willst – es ist so oder so brutal.“ Bei Sven Vanderschot führte das dazu, dass alle Systeme auf der Radstrecke kurz vor dem Stillstand waren. „Ich war mental total down und habe nicht verstanden, was mit meinem Körper passiert. Und beim Marathon, der häufig ein Gehen war, war ich einmal drauf und dran, loszuheulen.“
Große „Klopperei“ beim Schwimmen
Die besonderen Dimensionen von Hawaii – sie teilten sich abseits von Wind, Wetter und Wellen eher indirekt mit. Auch für Melanie Vanderschot, die im Vorfeld bereits dreimal eine Langdistanz absolviert hatte: „Das ist schwer zu beschreiben: Dieser Geist, der hier herrscht, flasht dich. Und du bist plötzlich an einem Ort, den du aus dem Fernsehen kennst. Das fühlt sich an, als hätte man dich in einen Film hineingeschnitten.“
Beim Schwimmen ging die 46-Jährige der „großen Klopperei“ in ihrem Startslot, in dem drei Altersklassen zusammengefasst wurden und sich rund 300 Aktive gleichzeitig ins Wasser stürzten, aus dem Weg. „Ich habe bewusst einen weiteren Weg gewählt, so aber meinen Rhythmus finden können.“
Nach rund fünf Kilometern auf dem Rad wurde Melanie Vanderschot dann von ihrem Mann überholt, der zehn Minuten später gestartet war und zu diesem Zeitpunkt noch ein glücklicher Hawaiianer war. Bei Melanie Vanderschot hielt die Radbegeisterung auf dem Endlos-Highway ungefähr bis Kilometer 140. „Da hatte ich einen Tiefpunkt. Mir ist die Energie ausgegangen, obwohl ich jede Verpflegungsstation mitgenommen hatte. Und alles, was der Sonne ausgesetzt ist, brennt trotz Lichtschutzfaktor 50 einfach nur noch. Das fühlte sich irgendwann an wie ein Kampf ums Überleben. Aber das ging allen so. Aber wenn du anfängst, mit deinem Rad zu reden, ist das schon etwas psycho.“
Am Ende war die 46-Jährige rund 20 Minuten länger auf der Radstrecke als sonst und war in der Rückschau immer noch etwas erstaunt. „Das waren nur noch 40 km – in der Vorbereitung merkst du eine solche Distanz überhaupt nicht.“
Rekordverdächtige Anzahl an Blasen
Mit einer rekordverdächtigen Anzahl an Blasen arbeitete sich die Triathletin anschließend durch den Marathon, ihre stärkste Disziplin. Mit einer Kilometerzeit von 4:50 Minuten legte Vanderschot los, aber mit jeder weiteren Eiswürfel-Ration im Laufeinteiler dämmerte die Erkenntnis, dass Hawaii und der Körper das Tempo bestimmen. „Das Anlaufen nach jeder Verpflegungsstation war schmerzhaft. Und auf dem Highway geht es gefühlt immer bergauf, und du siehst kein Ende, dafür aber Athleten, die Krämpfe rausdehnen, heulen, sich übergeben oder denen plötzlich der Stecker gezogen wird. Das habe ich noch bei keinem anderen Triathlon erlebt.“
Bliebe noch ein Erlebnis: An der letzten Verpflegungsstation klatschte Vanderschot mit dem deutschen Dreifach-Hawaii-Sieger Jan Frodeno ab. „Er hat irgendwas von einem Mai-Tai im Ziel gesagt. Das klang gut, aber als es so weit war, wollte ich nur noch liegen, wusste aber nicht, wie ich runterkomme.“
Wattwerte wie beim gemütlichen Training
Ehemann Sven kam mehr als 26 Minuten nach seiner Frau ins Ziel und bilanzierte auch für sich eine völlig andere Langdistanz-Welt. „Normalerweise mache ich immer schon Pläne für die nächsten Veranstaltungen. Aber jetzt bin ich einfach nur froh, dass ich es hinter mir habe. Mental war das das Härteste, das ich je erlebt habe. Dazu diese Meilenangaben an der Strecke. Das hat mich fertig gemacht.“
Für den 51-Jährigen war nach dem Schwimmen, ansonsten eine eher ungeliebte Teildisziplin, der Spaß vorbei. „Ich habe auf dem Rad, meiner Paradedisziplin, von der ersten Umdrehung an gemerkt, dass ich nur Wattwerte hinbekomme wie beim gemütlichen Training.“ Nach dem Wendepunkt gingen die Beine aber trotz Gegenwind wieder auf, bevor sie dann beim Laufen schon mit den ersten Metern wieder zugingen. Sven Vanderschot: „Dafür, dass ich gefühlt ganz viel gegangen bin, war die Zeit noch erstaunlich gut.“