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Artikel und Bild - Wilhelmshavener Zeitung vom 19.02.2020

Feuer und Flamme für dritte Karriere

Von Haus aus ist der 58-Jährige Fußballer. Erst über Sohn Sören kam der Wilhelmshavener zum Triathlon.

Artikel von Martin Münzberger, WZ-Foto: Lübbe

Der 11. September 2001 hat das Leben von Detlef Otten verändert. Nicht auf die ganz dramatische Weise, denn der 58-Jährige war nicht in New York, nicht beim oder im World Trade Center. Aber der Tag hat grundlegend eingegriffen in das Leben des gebürtigen Wilhelmshaveners, der sich jetzt nach 13 Jahren als Abteilungs-Vorsitzender der Sparte Duathlon/Triathlon des TSR Olympia nicht zur Wiederwahl gestellt hat.

Zurück also ins Jahr 2001: Berufssoldat Otten, gelernter Industrie-Kaufmann, lag damals mit der Fregatte „Bayern“ gerade im Hafen von Plymouth (England). Genauer: Er stand auf dem Laufband, als die Nachricht von den Terroranschlägen die Runde machte.

Die Folge: Mit dem Verband ging es nach Frankreich, anschließend nach Dschibuti (Ostafrika) – und aus einem rund viermonatigen Einsatz wurden zehn Monate auf See.

So weit, so wenig lebensverändernd. Doch zum einen hinterließ die lange Zeit auf See „Spuren“ beim Ex-Fußballer. Detlef Otten: „Vier Mahlzeiten am Tag – das ist verführerisch. Ich bin richtig auseinander gegangen und habe irgendwann 100 Kilogramm gewogen.“

Parallel dazu sendete Sohn Sören, Fußballer bei Blau-Gelb, klare Signale, sich einem neuen Sport zuwenden zu wollen. Otten: „Er hatte etwas im Fernsehen gesehen und sagte zu mir: Rate mal, was ich machen will. Dann habe ich 30 Sportarten aufgezählt, ohne einen Treffer zu landen. Und bin dann bei Triathlon aus allen Wolken gefallen.“

8500 Kilometer weiter südlich gefiel Detlef Otten unterdessen der Blick in den Spiegel nicht mehr. Die Konsequenz: Zusammen mit der Schiffsärztin startete der Wilhelmshavener einen Abnehm-Wettbewerb, an dem am Ende fast 50 Soldaten teilnahmen. „Die Dynamik, die das entwickelt hat, war großartig. In der Gruppe fällt so etwas viel leichter. Wir sind auf dem Flugdeck gelaufen und in der Wüste, und haben auch die Ernährung umgestellt. Nach vier Monaten waren bei mir so 14 Kilogramm weg.“

Als Detlef Otten wieder zuhause war, zündete Stufe 2. Weil es in Wilhelmshaven bei den Triathleten des TSR Olympia keine Nachwuchsgruppe gab, hätte die Familie den Fahrdienst nach Varel übernehmen müssen. Und weil sich die Begeisterung darüber in Grenzen hielt, nahm Otten Kontakt zu Horst Greb auf, der sich bereit erklärte, Sören Otten das Schwimmen beizubringen. Den Rest können so oder ähnlich viele Ehrenamtliche erzählen: Detlef Otten trat in den Verein ein, wurde Trainer und Jugendleiter und schließlich 2006 – für am Ende insgesamt 13 Jahre – Abteilungsleiter der Duathlon/Triathlon-Sparte des TSR Olympia als Nachfolger von Robert Bormann.

Eigentlich die völlig falsche Sparte, denn Detlef Otten ist von Haus aus Fußballer. Als defensiver Mittelfeldspieler kickte Otten für den PSV, den TSR Olympia (in der zweiten Mannschaft u.a. mit Uwe Reese und dem Trainer der damaligen ersten Mannschaft, Karl-Heinz Mrosko) sowie später für DJK und Borussia Heppens. Nach dem zweiten Kreuzbandriss 1998 im Alter von 36 Jahren war damit aber Schluss – genauso wie die Karriere als Leichtathlet. Unter anderem stellte Otten 1975/76 als Schützling von Klaus Dröge zusammen mit Markus Müller, Dirk-Jens Jordan und Thomas Hanuschek einen 4 x 100 m-Staffelrekord auf, der jahrzehntelang hielt.

Die Laufvergangenheit holte Detlef Otten („Du bist da schnell angefixt“) auch beim TSR wieder ein. 41er-Zeiten über 10 km, dazu zwischen 2004 und 2007 zwei Marathonläufe und eine Staffel. Otten: „Am Ende standen in Dresden 3:58 Stunden – das reichte mir. Und die zeitintensive Vorbereitung wollte ich auch nicht mehr haben.“

Denn Zeit ist und war im Leben von Detlef Otten ein rares Gut. Viermal in der Woche ist der 58-Jährige im Verein als Trainer im Einsatz, dreimal in der Schule und im Kindergarten. Denn Triathlon – trotz Schwimmzeiten wie samstags um 7.30 Uhr im Nautimo – boomt: Aus 48 Mitgliedern bei seinem Eintritt in die Abteilung 2004 sind mittlerweile 206 geworden. Mit drei Grundschulen in Wilhelmshaven und mit dem Mariengymnasium in Jever gibt es eine Zusammenarbeit, und das seit drei Jahren bestehende, von Otten geleitete Sportangebot im Kindergarten „Regenbogen“ in Fedderwardergroden ist ein „Volltreffer“ (Otten).

Der Entschluss, als Abteilungsleiter zurückzutreten, hat letztlich viel mit dieser Programmfülle zu tun. Detlef Otten: „Als ich vor dreieinhalb Jahren aufgehört habe zu arbeiten, dachte ich: Jetzt kannst du noch mehr machen. Stattdessen habe ich wegen immer mehr Bürokratie nur noch am Computer gehangen. Das will ich aber nicht, denn ich habe noch 100 Ideen, wie wir besser werden können.“

Danke Detlef !!!

 

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